Seite wählen

Über Marina Welsch

 “It is never too late to be what you might have been”

George Eliot

Was macht einen Schauspieler oder eine Schauspielerin aus? Ist man die Summe seiner Ausbildungen, seiner Lebensumstände, seiner Gedanken, seiner Erlebnisse oder seines Einfühlungsvermögens?

Oder ist man vielmehr die Summe all dessen, was man abrufen und wiederempfinden kann, wenn eine Rolle belebt werden soll, wenn man die Gelegenheit bekommt, alles im Leben Aufgesogene wieder freizugeben, um die Menschen zu berühren?

Ich glaube, dass Technik sehr wohl ein nützliches Vehikel sein kann, aber niemals persönliche Erfahrungen oder durchlebte Emotionen ersetzen kann.

Jemand sagte mal zu mir: „Don’t show me, feel it!“

Seitdem ich mich erinnern kann, versuche ich mich in Menschen einzufühlen, mich mit ihnen zu verbinden, sie zu erreichen, um sie möglicherweise auf einen neuen Gedanken zu bringen oder etwas Gutes in ihnen auszulösen.

Ich wollte schon früh nichts lieber, als Mutter zu werden und Schauspielerin zu sein. In einfachen Verhältnissen aufgewachsen, wurde mein Berufswunsch seinerzeit allerdings eher belächelt. Meine Eltern konnten diesen Drang nicht nachvollziehen und rieten mir zu einem „normalen“ Beruf, anstatt einer „brotlosen Kunst“ hinterherzurennen. So verlief mein Lebensweg nicht gradlinig, sondern recht kurvenreich.

Nachdem ich im Alter von 24 den zugesagten Platz an einer Wiesbadener Schauspielschule aus finanziellen Gründen nicht annehmen konnte, habe ich, nach einer Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin, Marketing-Kommunikation studiert und unter anderem ein Volontariat bei der Deutschen Presseagentur zur Bildredakteurin absolviert, im Sekretariat der ARD-Spielfilmredaktion als Producerin, und später bei Agenturen als Kreativ-Beraterin und Kreativdirektorin in Bukarest gearbeitet.

Ich habe als persönlicher Gast bei Hermann Nitsch studiert, habe Malerei-Masterclasses unter anderem bei Elvira Bach und Markus Lüpertz besucht, hatte eine eigene Galerie und habe meine Kunst deutschlandweit ausgestellt; und dennoch machte mich nichts davon wirklich zufrieden oder glücklich. Ich wollte als Schauspielerin arbeiten. Auch wenn mir viele sagten, dass das für mich nicht mehr möglich sei.

Marina Welsch Schauspielerin

Als mein jüngerer Bruder 1998 nach einem unverschuldeten Unfall querschnittsgelähmt wurde, (mittlerweile ist er im Jahr 2022 überraschend verstorben), wurde mir bewusst, dass man im Leben nichts verschieben sollte, wenn man nicht eines Tages voller Reue zurückblicken möchte.

Also habe ich relativ spät und aller Unkenrufe zum Trotz 2003 begonnen, mit „Babysteps“ in die Richtung zu laufen, die mir schon immer als mein Weg bestimmt schien.

Zunächst habe ich private „Masterclasses“ unter anderem an der New York Filmacademy, bei Bernhard Hiller in Los Angeles, an der Mallorca Filmacademy, bei Cathrin Jarvis in Wien oder bei MK Lewis in Berlin absolviert und parallel kleinere Rollen im Fernsehen gespielt – unter anderem bei „Soko Köln“, „Polizeiruf 110“, „Die Anrheiner“, „Paare“ oder „Geile Zeit“.

Bald folgte auch die eine oder andere Neben- und Hauptrolle in verschiedenen Kurz- und Langfilmen wie z.B. „Breathful“, „Drei Schwestern Made in Germany“, „Dating Vietnam“, „Schwarznull“, „Eine falsche Nacht“ oder „Eldorado“.

2011 habe ich dann auch die Liebe zum Theater entdeckt und seither neben einigen wunderbaren Kollegen gespielt – unter anderem auch mit Claus Wilcke, Dirk Waanders oder Michael Lesch. Mit Silke Natho habe ich 2021 ein eigenes Theaterstück „Die Vorzimmerdamen“ geschrieben. Wir haben selbst Regie geführt und spielen es seit 2022 erfolgreich in verschiedenen Städten. Das Publikum ist jedes Mal begeistert.

Um im Fluss zu bleiben und nicht nur auf Rollen zu warten, schreibe ich: an weiteren Stücken, an einem Kurzfilm und auch an einem Roman. Meine Eltern hatten Recht: Es ist kein leichter Weg, ich scheine oft nicht zu passen. Dann heißt es: „zu auffällig, zu jung, zu alt, zu dick, zu dünn, zu extravagant, zu wenig, zu viel…

Und auf all das hat man keinen Einfluss. Oft bleibt einem nur, dafür zu sorgen, dass man zu jeder Zeit sein Bestes gegeben hat.

Ich glaube jedoch immer noch fest daran, dass alles kommt, wie es kommen soll.

Mein Leben ist trotz aller Höhen und Tiefen wunderbar, und ich bin dankbar, dass ich meinen Traum auch weiterhin verfolgen und ihm meine gebündelte Leidenschaft widmen kann.

Ich würde mir sehr wünschen, dass ich noch interessante Rollen spielen und eines Tages vielleicht sogar mit einer Serienrolle verschmelzen darf.

Das wäre wunderbar!

Copyright © 2021 Marina Welsch / Impressum & HaftungsausschlussDatenschutzerklärung